Meine Damen und Herren,
liebe Genossinen und Genossen,
dieser Tage erscheint ein Buch mit dem bezeichnenden Titel „Gewalt. Eine neue Menschheitsgeschichte“. Sein Autor Steven Pinker vertritt darin auf über 1.200 Seiten die These, dass die Geschichte der Menschheit zwar eine der Gewalt sei, diese Gewalt gegenüber Personen jedoch im Verlauf der Jahrhunderte abgenommen hätte und immer seltener zur Handlungsoption würde.
Man mag zu Pinkers Thesen stehen, wie man möchte. Er hat jedenfalls eines vergessen darzustellen, was unmittelbar mit dem heutigen Tag, an dem vor 73 Jahren in ganz Deutschland – so auch hier in Dresden – die Synagogen brannten. Er vergaß die Gewalt gegenüber Symbolen.
Symbole müssen seit Jahrhunderten herhalten, wenn Ideen, Glaubensgrundsätze oder Menschen indirekt angegriffen werden sollen. Denken wir an die Bastille, deren Stürmung man in Frankreich als symbolischen Beginn der Französischen Revolution heute als Nationalfeiertag begeht. Oder wenn in Syrien dänische Flaggen brannten, weil ein Karikaturist in Kopenhagen den Propheten Mohammed abgebildet hat, dann war auch das ein Akt der Gewalt gegenüber Symbolen. Es gibt symbolische Zerstörungen, die wir feiern und andere, die wir ablehnen. [...]
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Veröffentlicht am 10.11.2011